Finsternisse
Das Logo von www.astronomie.info: astro-info mit dem '!'
Am Himmel · News
 
Astrolexikon
 
Finsternisse
 
Planetarium
 
Sternbilder
 
Schweiz
 
Deutschland
  

Die Sonnenfinsternis '98

Am 26. Februar 1998 fand die letzte totale Sonnenfinsternis vor "unserer" statt. astro!nfo Moderator Roland Brodbeck war vor Ort und berichtet uns auch mit Bildern, wie er die totale Sonnenfinsternis erlebt hat.

CURAÇAO, 26. FEBRUAR 1998,
von Roland Brodbeck

96 kByte PanoramaMerkur und Jupiter

Rechts: Blick Richtung Südwesten wärend der totalen Sonnenfinsternis. Links: Merkur und Jupiter (unten) bei der vom Mond verdeckten Sonne.

Ich hatte schon lange vor dem Februar 1998 daran gedacht, an die totale Sonnenfinsternis vom 28. Februar zu reisen, doch im Laufe des Jahres 1997 zeichnete sich ab, daß der Abschluß meiner Doktorarbeit etwa in diese Zeit fallen würde. Deshalb schien es lange so, als würde die Finsternis vom 11. August 1999 meine erste werden. Als am 22 Januar schließlich meine Dissertation doch etwas früher Ihren Abschluß fand, konnte ich wieder hoffen, zumal der Weg des Mondkernschattens über die touristisch gut erschlossenen Karibikinseln Aruba, Curaçao, Antigua und Guadeloupe führen würde. Doch nur für Curaçao waren noch Flüge und Hotelplätze verfügbar. Das Hotel befand sich ein paar km nordwestlich von der Inselhauptstadt Willhelmstad an der Küste. Es würde sich etwas mehr als 2 Minuten im Kernschatten des Mondes befinden, während für die Nordwestspitze der Insel eine dreieinhalb Minuten lange totale Sonnenfinsternis erwartet wurde. Schon von der Schweiz aus erwies sich das Organisieren eines fahrbaren Untersatzes (Mietauto), um am Finsternistag zur Norwestspitze zu fahren, als Problem. Auf der Insel war alles ausgebucht. Da ich auch noch Ferien machen und nicht nur herum telefonieren wollte, blieb ich schließlich in der Nähe des Hotel.

Auch das Wetter war nicht so unproblematisch, wie es die Bewölkungsstatistik der NASA (70-80% Chance die Finsternis zu sehen) versprach. Der Morgen war über der Insel oft stark bewölkt. Gegen Mittag ging die Bewölkung in einzelne Cumuli über, die am frühen, manchmal auch erst am späteren Nachmittag verschwanden. Oft waren um 14 Uhr 15, die Tageszeit, zu der die totale Finsternis erwartet wurde, noch nicht alle Wolken verschwunden. Am Morgen des großen Tages fielen sogar ein paar Tropfen Regen. Glücklicherweise setzte sich gegen Mittag trocknere Luft durch.

Simulation nach calsky.astroinfo.org

Zu Beginn der partiellen Phase, der Mond hatte um 12 Uhr 44 die erste Delle in die Sonne gedrückt, waren die meisten Wolken verschwunden. So verließ ich gut gelaunt und gespannt um 12 Uhr 45 das Hotel. Die noch kaum vom Mond bedeckte Sonne brannte heiß vom Himmel, als ich mir im Windschatten eines Busches am Kiesstrand, der etwa 200m vom Hotel entfernt war, mein Plätzchen suchte.

Simulation nach calsky.astroinfo.org

13 Uhr 30: Der Mondrand hatte etwa die Mitte der Sonnenscheibe erreicht. Nun bemerkte ich, daß die Hitze etwas an Kraft verloren hatte. Mit der leichten Abkühlung waren die allerletzten Wolkenreste verschwunden. Auch schienen die Farben in der Umgebung blasser geworden zu sein.

Simulation nach calsky.astroinfo.org

14 Uhr: Noch 13 Minuten, bis mich der Rand des Kernschattens erreichen würde. Die Sonne war nur noch eine Sichel, die Temperatur angenehm warm aber nicht mehr heiß. Der auf Curaçao ewig blasende Wind verlor etwas an Kraft, als wolle er seine Arbeit während der Sonnenfinsternis unterbrechen. Die Umgebung hatte eine graubraune Färbung angenommen, es war spürbar dunkler geworden. Der Schatten wurde aus Westsüdwest erwartet. Der Horizont in jener Richtung war deutlich grauer als Richtung Südost, doch war diese Verfärbung noch nicht sehr auffällig.

Simulation nach calsky.astroinfo.org

Noch zwei Minuten bis zur Totalität: Die Venus fiel als heller Stern über dem Westhorizont auf. Der Küste entlang gegen Westen nahm der Himmel eine dunkelblaue Färbung an, etwa so wie unter einem nahenden Unwetter. Die schmale Sonnensichel begann zu schrumpfen, die Beleuchtung wechselte auf ein bläulich-weiß wirkendes Licht. Ein unerwartetes Erlebnis, man fühlte sich auf einem anderen Planeten, der eine fremdartige Sonne umkreist. Die sogenannten fliegenden Schatten, die viele Leute bei anderen totalen Finsternissen gesehen haben, konnte ich nicht bemerken.

TOTALITÄT: Die dunkelblaue Wand kam der Küste entlang auf mich zu, während die Sichel rasch zu einem grellen Lichtpunkt zusammen schrumpfte. Ein Augenblick lang verharrte dieser Lichtpunkt, ich begann mit meiner Belichtungsserie. Ein roter Strich erschien anstelle des letzten Rests Photosphäre, es war die Chromosphäre. Der Himmel hat nun eine tief dunkelblau leuchtende Färbung, sie war ganz anders als die Himmelsfarbe der Dämmerung.

Da war sie! Die Korona! Neben der Sonne standen unübersehbar Jupiter und Merkur, noch etwas weiter weg und schwächer war der rötliche Mars auch erkennbar. Die hellen Strahlen in der Korona zogen den Blick auf sich, sie wirkten sehr groß und mächtig, während die übrigen Bereiche der Korona eher unauffällig waren. Gegen Süden hin war der Horizont relativ hell, im Nordwesten (zur Schattenmitte hin) blieb der Himmel bis zum Horizont dunkel. Ich suche mit dem Feldstecher nach Protuberanzen, sah aber keine. Am unteren Mondrand tauchte ein rasch länger werdender heller, roter Strich auf.

Ein paar Augenblicke später fällt grell und hart der erste Sonnenstrahl durch ein Mondtal. Kurz darauf ein breiter, greller Streifen links von ihm, der die Korona rasch zum Verblassen brachte. Ich muß meinen ungeschütztes Auge abwenden, da es nun zu gefährlich wurde, die Sonne weiter ohne Filter zu beobachten. Das unwirkliche blau-weiße Licht war wieder da. In einer Lücke zwischen den Hügel im Hintergrund sah ich noch die sich zurückziehende, dunkelblaue Wand des Mondschattens.

=> Hier geht es zu weiteren Bildern von der Sonnenfinsternis vom 26 Februar 1998.



Top of Page

21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

astro!nfo