Merkurtransit
Merkurvorübergang vor der Sonnenscheibe
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Der Merkur kurz vor dem Verlassen der Sonnenscheibe. Oben im Bild ist ein
zum Zeitpunkt des Merkurtransits auffälliger Sonnenfleck zu sehen. Foto R Brodbeck und M. Pesendorfer.
Der sonnennächste Planet Merkur kreist innerhalb der Erdbahn. Dabei steht er im Mittel
alle 116 Tage zwischen Erde und Sonne (untere Konjunktion). Doch genau so, wie es nicht bei jedem
Neumond eine Sonnenfinsternis gibt, steht auch Merkur nicht bei jeder unteren
Konjunktion genau genug zwischen uns und der Sonne, dass wir uns in seinem Schatten aufhalten würden.
Nur wenn Merkur bei einer unteren Konjunktion maximal wenige Tage zuvor oder danach auch die Ebene der
Erdbahn durchstösst, also durch einen seiner beiden Bahnknoten läuft, trifft der Merkurschatten
die Erde.
Der Kernschattenkegel des Merkur ist nur ca. 200'000 km lang. Die Erde ist jedoch
während eines Transits zwischen 80 und 100 Mio. km von Merkur entfernt. Deshalb durchqueren wir nur den
Halbschatten und den Bereich der ringförmigen Sonnenfinsternis des Merkurschattens. Merkur kann also nur
partielle und ringförmige Sonnenfinsternisse auf der Erde verursachen. Doch darf man das
Ereignis nicht mit einer durch unseren Mond verursachten Sonnenfinsternis vergleichen. Während
der Mond an unserem Firmament etwa gleich gross erscheint wie die Sonne, ist der Planet Merkur für das blosse Auge nur ein Stern.
Erst ein Amateurfernrohr zeigt Merkur als kleine Scheibe. Das Merkurscheibchen ist nur bis maximal 13
Bogensekunden gross. Die Sonne misst jedoch ca. 1800 Bogensekunden im Durchmesser. Deshalb ist Merkur bei einem Vorübergang
nicht mehr als ein kleiner runder Fleck auf der Sonne.
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Nur wenn die Sonne, Merkur und die Erde fast perfekt in einer Linie stehen,
erscheint für einen Beobachter auf der Erde Merkur vor der Sonnenscheibe (Grafik von R. Brodbeck).
Wann kann ein Transit auftreten?
Wie bereits erwähnt, muss sich Merkur bei der unteren Konjunktion (Stellung zwischen Sonne und Erde) auch
nahe seiner Bahnknoten (Durchstosspunkte durch die Erdbahn) aufhalten. Im Gegensatz zu
den Mondknoten, die in 18 Jahren einmal den ganzen Tierkreis durchlaufen, bewegen
sich die Bahnknoten des Merkurs mit einer Winkelgeschwindigkeit von nur 1.2 Grad pro Jahrhundert sehr langsam.
Deshalb stehen die Bahnknoten des Merkurs immer zur gleichen Jahreszeit vor der Sonne. Der absteigende Knoten des
Merkurs (die Merkurbahn durchstösst die Erdbahnebene von Norden nach Süden) befindet sich ca. am 9. Mai,
der aufsteigende Knoten am 11. November vor der Sonne. An diesem Tag würde Merkur zentral vor der Sonne vorüberziehen.
Findet die untere Konjunktion früher oder später statt, so läuft Merkur immer weiter vom Mittelpunkt der Sonnenscheibe
entfernt über die Sonnenscheibe, bis schliesslich die Sonnenscheibe ganz verfehlt wird. Nur wenn die untere Konjunktion zwischen dem 6. und 11. Mai oder zwischen
dem 6. und 15. November stattfindet, erscheint Merkur vor der Sonnenscheibe. Diese eher kurzen Zeiträume machen
Merkurvorübergänge zu einem seltenen Ereignis. Nur etwa alle 7 Jahre zeigt sich der Planet als schwarzer Punkt vor der
Sonne.
Beobachtung
Ein sehr erfahrener Sonnenbeobachter hat in einem Vortrag behauptet, er habe Merkur mit nur einer Finsternisbrille bewaffnetem Auge
vor der Sonne erkennen können. Doch für alle andern gilt, dass man zur Verfolgung eines Merkurtransits ein für die
Sonnenbeobachtung ausgerüstetes Amateurteleskop braucht (OBJEKTIVFILTER oder Projektion des Sonnenbildes) .
Nur wer mit seinem Teleskop gut Sonnenflecken beobachten kann, ist ausreichend für einen Merkurtransit gerüstet. Der interessierte Laie
wird am besten eine Volkssternwarte aufsuchen, um an diesem Ereignis teilhaben zu können.
Ein Merkurtransit beginnt wie bei einer (normalen) Sonnenfinsternis mit dem 1. Kontakt. Zu diesem Zeitpunkt berührt Merkur die Sonnenscheibe von
aussen. Ein paar Minuten später folgt der zweite Kontakt, wenn Merkur vollständig in die Sonnenscheibe eingedrungen ist.
Läuft Merkur zentral über die Sonne, so kann es fast 8 Stunden dauern, bis Merkur den gegenüberliegenden Rand der
Sonnenscheibe erreicht. Möchte man das Ereignis in voller Länge beobachten, muss man den Beobachtungsstandort so
wählen, dass die Sonne nicht während des Transits untergeht oder erst aufgeht, wenn Merkur schon ein gutes Stück
auf der Sonnenscheibe zurückgelegt hat.
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Der Merkur kurz nach dem Eintritt vor die Sonnenscheibe. Unten links ist ein
momentan auffälliger Sonnenfleck zu sehen. Foto A. Barmettler.
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Entlang einer Linie Mainz - Lichtenfels kreuzte am 7. Mai 2003 um 07:17-07:18 die Raumstation ISS ebenfalls
die Sonnenscheibe. Allerdings war ISS scheinbar nur 1/3 so gross wie der
Merkur und der Durchgang dauerte nur max. 3.5 Sekunden.
Der rund 20 km breite Pfad verlieft etwa entlang von 50°08' Nord durch Deutschland.
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