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Streifender Merkurtransit vom 15. November 1999

1999 fand für den pazifischen Raum ein Merkurtransit statt. Da aber die Bedingungen für ein Erscheinen des Planeten als schwarzer Punkt nur ganz knapp erfüllt waren, streifte der Planet die Sonnenscheibe, anstatt mittendurch zu laufen. Deshalb hiengen die vorausberechneten Kontaktzeiten besonders empfindlich von kleine Variationen der Form der Sonne ab. Man hoffte durch die Beobachtung des Transits zusätzliche Informationen über Details der Form der Sonne zu erhalten.
CalSky-Simulation des Merkurtransits vom 15.11.1999 Grafik 3: Am 15. November 1999 findet ein Merkurtransit statt. Merkur tritt jedoch nur ganz am Rand vor die Sonne. Wenn Sie sich eine Diagonale von rechts oben nach links unten durch das Bild denken, finden sie Merkur etwa dort, wo die Diagonale den Sonnenrand schneidet. Das Bild zeigt eine von CalSky berechnete Simulation.

Am 15. November 1999 kam Merkur gerade noch im Zeitfenster der Merkurtransite in untere Konjunktion und zeigt sich ab ca. 21 Uhr 14 Weltzeit für etwa eine Stunde am Sonnenrand (Grafik 3). Bei diesem Transit taucht die Erde gar nicht vollständig in den Bereich "ringförmiger" Sonnenfinsternis des Merkurschattens ein. Australien und die Antarktis bleiben ausserhalb. Von Australien aus beobachtet, schob sich Merkur am 15. November 1999 nie vollständig vor die Sonne. Es gab dort keinen zweiten und dritten Kontakt geben. Hawaii oder Kalifornien waren für die Beobachtung des Transits geeignetere Orte. Andererseits war vielleicht auch die Beobachtung des nur partiellen Transits, wie er von der australischen Wüste aus gesehen werden konnte, von besonderem Reiz, da ein solches Ereignis nur alle paar hundert Jahre vorkommt.

Besondere Bedeutung des Transits vom 15.11.1999

Die besondere Bedeutung im Merkurtransit vom 15. November liegt im streifenden Verlauf in der Nähe des Sonnennordpols. Die genauen Zeiten der 4 Kontakte des Transits hängen von der Form der Sonne, der Bewegung von Erde und Merkur im Sonnensystem und vom Ort des Beobachters auf der Erde ab. Am ungenausten ist dabei die Form der Sonne bekannt. Ein streifender Vorübergang ist in dieser Hinsicht besonders empfindlich. Dieser Transit findet in der Nähe des Nordpols der Sonne statt, was eine genaue Beobachtung besonders wichtig macht, um den Poldurchmesser der Sonne genauer zu bestimmen. Der Äquatordurchmesser lässt sich mit gewöhnlichen Mitteln wie z.B. ein Meridiandurchgang der Sonne viel besser bestimmen als der Poldurchmesser. Auch eine totale Sonnenfinsternis kann nicht dieselbe Genauigkeit für den Poldurchmesser liefern wie ein Merkurtransit. Unsicherheiten im Dekameterbereich der Mondtopographie führen zu Messfehlern von vielen Kilometern in der Form der Sonne, da uns ja der Mond 400 mal näher ist als die Sonne. Merkur befindet sich beim Transit näher an der Sonne als an der Erde. Die genaue Form des Merkurs hat auf die Messgenauigkeit einen viel geringeren Einfluss, so dass der Poldurchmesser der Sonne doch besser als bei einer Sonnenfinsternis bestimmt werden kann, obwohl wir die Topographie des Merkurs bei weitem schlechter kennen als die des Mondes.

Von Hawaii aus gesehen nam der Transit vom 15. November 1999 etwa den folgenden Verlauf:

1. Kontakt um 21 Uhr 13 Weltzeit, Merkur berührt die Sonnenscheibe von aussen, Sonnenhöhe 49°
2. Kontakt um 21 Uhr 26 Weltzeit, Merkur berührt die Sonnenscheibe von innen,  Sonnenhöhe 50°
3. Kontakt um 21 Uhr 57 Weltzeit, Merkur berührt die Sonnenscheibe von innen,  Sonnenhöhe 51°
4. Kontakt um 22 Uhr 09 Weltzeit, Merkur berührt die Sonnenscheibe von aussen, Sonnenhöhe 51°

Wenn man sich die Sonne als Zifferblatt vorstellt, war Merkur (bezüglich des Horizonts in Havaii) Richtung 11 Uhr ganz am Rand der Sonnenscheibe zu finden sein.



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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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