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Häufige Fragen zum Venustransit

Die häufigsten Fragen und Missverständnisse

Wir befinden uns ja am Morgen des 8. Juni 2004 im Schatten der Venus. Wird es spürbar dunkel?

Nein. Der Kernschatten der Venus ist etwa eine Million Kilometer lang. Am Tag des Transits ist die Venus 42 Millionen Kilometer entfernt. Die geometrische Situation ähnelt somit der ringförmigen Sonnenfinsternis, mit dem Unterschied, dass die Venus nur ein Promille der Sonnenscheibe verdeckt. Damit geht die Sonnenhelligkeit ebenfalls nur um ein Promille zurück. Die Erfahrung von Sonnenfinsternissen zeigt, dass Zufallsbeobachter erst bemerken, dass etwas Ungewöhnliches mit der Sonne geschieht, wenn ihr Licht etwa auf 50% zurückgegangen ist.

Wie zuverlässig ist die Prognose? Wie gross ist die Chance, dass tatsächlich am Morgen des 8. Juni 2004 die Venus vor der Sonnenscheibe auftaucht?

100%. Die Vorhersage der Positionen der Planeten gelingt heute so genau, dass kein Spielraum für Überraschungen mehr bleibt.

Was sind Bahnknoten?

Die Antwort auf die Frage gibt es HIER.

Was sind Kernschatten und Halbschatten?

Die Antwort auf die Frage gibt es HIER.

Wie kann ich mit bescheidenen Mitteln den Transit beobachten?

Ohne Schutzbrille darf man nicht in die Sonne sehen. Im Volksmund werden diese für den Blick in die Sonne zugelassenen Brillen „Finsternisbrillen“ genannt, da die meisten Leute nur bei einer Sonnenfinsternis auf die Idee kommen, direkt in die Sonne zu blicken. Selbstverständlich muss man immer, wenn man zur Sonne blickt, eine solche Brille tragen. Nicht die Finsternis oder der Transit ist das Problem, sondern das grelle Sonnenlicht.

Die Venus ist vermutlich gerade noch gross genug, um auch von blossem Auge (Finsternisbrille verwenden!) als schwarzes Pünktchen gesehen zu werden - oder es reicht gerade knapp nicht. Niemand kann heute wirklich aus Erfahrung sprechen, denn der letzte Transit liegt schon mehr als 120 Jahre zurück. Wenn Sie das Objektiv eines kleinen Fernglases mit für die Sonnenbeobachtung zugelassener Folie schützen, sollten Sie die Venus als schwarzen Punkt sicher sehen können.

Von wo aus (geographisch) kann ich den Transit besonders gut beobachten?

Im Gegensatz zur Sonnenfinsternis braucht man keine komplizierten Instruktionen, wo man den Transit beobachten kann. Wenn die Sonne während des Transits über dem Horizont steht (es also Tag ist), kann das Ereignis beobachtet werden (wie genau, siehe hier). Diese Bedingung erfüllen Europa, Asien und Afrika. Man kann nun noch fordern, dass bei Beginn und Ende des Transits die Sonne hoch am Himmel stehen sollte. Mit dieser Zusatzforderung ist das Gebiet im Bereich des östlichen Mittelmeers, der Arabischen Halbinsel und des Iran besonders bevorzugt. Jedoch ist auch die Situation im deutschen Sprachraum gut. Wer den Beginn nicht verpassen will, wird bei uns früh aufstehen müssen.

Das Medieninteresse wird bei astronomischen Ereignissen oft von dem Verhalten der Presse und Agenturen in den USA beeinflusst. Die Nordostküste der USA wird nur gerade noch bei Sonnenaufgang das Ende des Transits mitbekommen.  Dies könnte das US-Medieninteresse etwas dämpfen.

Der Transit der Venus soll zur Bestimmung der Entfernung von Sonne und Venus verwendet werden. Um wie viel besser wird man nach dem 8. Juni 2004 die Distanz zur Venus oder Sonne kennen?

Distanzen im Sonnensystem – insbesondere im inneren Sonnensystem (Sonne, Merkur, Venus, Erde und Mars) – sind heute auf besser als 100 m bekannt. Radarmessungen haben dies ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts möglich gemacht. Da kann die Beobachtung des Transits nicht mithalten. Die Berechnung der Distanz zur Venus aus der Dauer des Transits dient heute zur persönlichen Weiterbildung und zum Nachempfinden der historischen Bemühungen des 18. Jahrhunderts.

Ist die Beobachtung des Transits auf einer Volkssternwarte empfehlenswert?

Da die selbständige Beobachtung des Venustransits (8. Juni 2004) durch einen Laien nicht ganz problemlos ist, kann der Besuch bei einer Volkssternwarte empfehlenswert sein. Beim Merkurtransit im Mai 2003 ist dies noch verstärkt der Fall. Um das im Vergleich zur Venus 4x kleinere Merkurscheibchen vor der Sonne problemlos zu erkennen, ist ein Fernrohr und eine Ausrüstung zur Sonnenbeobachtung zwingend notwendig. Natürlich kann ich nur für die Urania-Sternwarte Zürich sprechen und das auch nur mit Vorbehalt, da noch kein offizielles Programm vorliegt.

Merkurtransit Mittwoch 7. Mai 2003: Der Transit beginnt kurz nach 7 Uhr Sommerzeit und dauert bis kurz nach Mittag.  Der letzte, von Mitteleuropa in seiner ganzen Länge beobachtbare Merkurtransit fand am 10.11.1973 statt. Merkurtransits sind seltene Ereignisse. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass manche Volkssternwarte die ersten zwei Stunden für eigene Beobachtungen nutzen möchte und das allgemeine Publikum erst ab 9 Uhr zulässt.

Venustransit Dienstag, 8. Juni 2004: Das Jahrhundertereignis findet wie ein Jahr zuvor der Merkurtransit morgens statt. Der Transit beginnt gegen halb acht Sommerzeit und dauert bis nach 13 Uhr. Da es auch für das Sternwartenpersonal sicher die erste und möglicherweise auch die einzige Gelegenheit im Leben sein könnte,  einen solchen Transit zu sehen, möchte ich um Verständnis bitten, wenn ein Teil der Zeit für eigene Beobachtungen reserviert bleibt, oder mindestens zwischendurch fotografiert wird und dadurch die öffentliche Beobachtung für eine kurze Zeit unterbrochen wird.

Besonders der Venustransit wird sicherlich öffentliches Interesse hervorrufen. Es ist deshalb mit grossem Andrang zu rechnen. Etwa um 13:15 (leicht ortsabhängig) ist der Venustransit definitiv vorbei; egal wie viele Leute noch auf Einlass warten. Wenn Sie es sich einrichten können, meiden Sie bitte die Zeit zwischen Mittag und dem Ende des Transits für einen Sternwartenbesuch.



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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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